Jasper van 't Hof
in St. Petri Oyten
Er sei eigentlich kein Organist, erklrt Jasper van't Hof dem Publikum zur Erffnung des zweiten Konzertteils, er sei Pianist, aber eben deshalb reize ihn die Orgel. Es wird ein langer Abend auf harter Kirchenbank, Jasper van't Hof improvisiert mehr als zwei Stunden auf der kleinen (20 Register fr die zwei Manuale und das Pedalwerk), nicht strahlend, sondern eher mild klingenden Orgel der St. Petri Kirche.
Aber, und das sei vorweggenommen, es wird in keiner Sekunde ein zu langer Abend, dafr sorgt der Ideenreichtum des Hollnders.Tatschlich ist van't Hof nicht der erste Jazzpianist, der sich vom Klangreichtum einer Kirchenorgel angezogen fhlt. Schon vor 30 Jahren nahm Keith Jarrett an der Orgel in Ottobeuren seine "Hymns/Spheres"-Improvisationen auf. Auch Jasper van't Hof beschftigt sich seit langem mit der Orgel, seine Konzerte daran sind Raritten, das Spiel auf mehreren Manualen sowie den Umgang mit unterschiedlichen Klangfarben beherrscht er traumwandlerisch sicher.Anders als Jarrett einst hat van't Hof an meditativen Momenten wenig Interesse, das Hymnische reizt ihn hrbar sehr. Das ist schon bei seiner erffnenden Improvisation zu erkennen, die ein "B-A-C-H" streift, aber auch mit melodisch-rhythmisch komplexen Mitteln nach Afrika weist. Die intensive Auseinandersetzung mit west- und sdafrikanischen Musiktraditionen geht auf seine Band "Pili Pili"
zurck, und Jasper van't Hof nutzt deren Songthemen mehrfach als Ausgangspunkt. Aber eben als Ausgangspunkt fr weit reichende Improvisationen, bei denen er die Orgel nicht nur in ihrer Klangpracht sondern auch in ihrem Verlschen und der empfindsamen Zartheit eines einzigen Registers vorfhrt. Die Virtuositt, die seine Solokonzerte am Flgel auszeichnet, flackert auch an der Orgel auf, aber sie ist von nebengeordnetem Interesse, im Zentrum steht das Ausloten der Klangfarben und der technischen Mglichkeiten. So registriert er mitten im ausgehaltenen Ton um, lsst an- und abschwellen, setzt hufig mit sffigen Jazzgrooves Ankerpunkte, durch die die berbordenden Klangphantasien gehalten werden. Ein zutiefst spannender Abend.
Christian Emigholz